Amira Jehia 13.12.2016 #2

Fairtrade & Bio - Gibt es einen Unterschied?

Was bedeutet Fairtrade eigentlich? Ist Fairtrade gleich Bio? Was bedeutet “Bio” bei Baumwolle? Und welches Siegel ist eigentlich wirklich wichtig? Mit diesen und vielen anderen Fragen sind wir Anfang November gemeinsam mit unserem Partner Ethletic nach Pakistan geflogen. Ziel unserer Reise war es ein Mal die komplette Produktionskette der Karma Classics abzufahren, von der Baumwollernte bis zum Verpacken der fertigen Schuhe. Was wir erfahren haben, war aber noch viel mehr.

Fairtrade & Bio - Gibt es einen Unterschied?

Letzten November bin ich gemeinsam mit Marc Solterbeck, dem Geschäftsführer von Ethletic, nach Pakistan gereist, um mich auf die Spuren unserer Karma Classics zu begeben. Erst auf dieser Reise ist mir wirklich klar geworden was “Fairtrade” und “Bio” eigentlich bedeutet. Denn beides ist nicht zwangsläufig dasselbe. Produkte können sowohl das prädikat Fairtrade aber nicht Bio und Bio aber nicht Fairtrade, als auch Fairtrade und Bio gleichzeitig tragen. Ganz schön veriwrrend. Man hört immer wieder von der Verwendung von Bio-Baumwolle in Produkten, Fairtrade ist im Kleidungssektor ein noch weniger gängiger Begriff. Er wird jedoch immer bedeutsamer. Aber fangen wir erstmal bei der Begriffsklärung an.

Bio

Das Prädikat Bio zeichnet Produkte aus, die ökologisch nachhaltig geerntet bzw. produziert wurden. Im Bereich Bekleidung gilt der internationale Standard GOTS (Global Organic Textile Standard). Konkret definiert GOTS Standards für Textilien, die aus biologisch erzeugten Naturfasern verarbeitet werden. Neben den umwelttechnischen Anforderungen entlang der gesamten Produktionskette fordert der Standard aber auch die Einhaltung von Sozialkriterien. Um es stark zu vereinfachen kann man aber sagen, dass Bio für eine umweltfreundliche Produktion steht.

Fairtrade

Fairtrade hingegen legt das Augenmerk sowohl auf die Herstellung als auch auf den Handelsaspekt. So umfassen die Kriterien soziale, ökologische aber auch ökonomische Regeln, die eine nachhaltige Entwicklung der Produzent*innen in Entwicklungs- und Schwellenländern gewährleisten sollen. Hier geht es also zusätzlich darum Augenhöhe zwischen den Handelsparteien zu schaffen, wo bislang keine herrschte.

Zertifizierung

Auch wenn sich beide Standards ähneln, unterscheiden sie sich doch. Deshalb tragen manche Produkte nur eins, andere dafür keins und wieder andere beide Siegel. Warum hängt oft mit dem Aufwand und den Kosten für die Zertifizierung zusammen. Beide Prädikate dürfen nur dann getragen werden, wenn ein sehr aufwendiger Zertifizierungsprozess bei einer der führenden Organisationen erfolgreich abgeschlossen wurde. Dieser Prozess kann sich über ein Jahr oder länger hinziehen. Vor allem bei der GOTS-Zertifizierung ist Geduld gefragt, da der Boden oftmals regelrecht “entgiftet” werden muss, um den strengen Richtlinien zu entsprechen. Hinzu kommen hohe Kosten. Eine der Firmen, die wir vor Ort besucht haben, zahlt jährlich allein USD 6.000, um das Fairtrade-Zertifkat erneuern zu lassen. Denn nach der anfänglichen Prüfung, stehen jährliche Kontrollen an, ohne die das Siegel nicht erneuert wird. Das ist für die Verbraucher*innen natürlich wichtig, da sich Produktionsbedingungen ändern können, es verlangt den Produzent*innen aber auch viel ab. Gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern kann allein der finanzielle Aufwand oftmals schlichtweg nicht bewältigt werden.

Was können wir tun?

Von allen Kriterien, die sowohl für Bio- als auch Fairtrade-Produkte gelten, profitieren wir alle. Warum genau werde ich in den nächsten Blogeinträgen näher beleuchten. Kurz gesagt, sollte es auch in unserem Interesse sein, dass schonend mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten und fair mit den Menschen in den Produktionsstätten umgegangen wird. Am Ende haben wir doch alle etwas davon, wenn Frieden herrscht und die Erde auch noch für unsere Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel*innen bestehen bleibt. Damit sich die Firmen in den Produktionsländern die Umstellung leisten können, müssen sie genug Einnahmen erwirtschaften, die die Kosten aber auch ihre Ausgaben decken. Die dafür nötigen Summen, hängen wiederum von der Nachfrage in den Konsumländern ab. Je mehr Menschen hier auf nachhaltige Kleidung umsteigen, desto mehr lohnt sich die Produktion eben dieser Güter. Und zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis: Nachhaltige Mode kostet längst nicht mehr zwangsläufig das Doppelte. Ein Blick auf entsprechende Anbieter*innen lohnt sich also. Vor allem jetzt zu Weihnachten :)